Die Energiewabe stellt eine räumlich abgegrenzte Region dar, die sich mit Hilfe eines intelligenten Stromnetzes (Smart-Grid) und eines virtuellen Kraftwerks über eine Leitstelle selbst optimiert. Das Ziel ist dabei, die Versorgung aus fluktuierenden erneuerbaren Energien (fEE) zu maximieren und deren Abregelung möglichst zu vermeiden. Zu diesem Zweck werden nicht nur Stromerzeugungsanlagen, sondern auch verschiedene flexible Verbraucher gesteuert, wobei die Versorgungssicherheit auch weiterhin gewährleistet bleibt.

Eine Energiewabe wird dabei ausdrücklich nicht als autonomes System innerhalb der nationalen Stromversorgung geschaffen. Sie verfolgt vielmehr das Ziel, in einem Umfeld zunehmend dezentraler Stromerzeugung lokale und regionale Effizienzpotenziale in Erzeugung und Verbrauch zu optimieren. Auch kommunizieren die benachbarten Waben miteinander und tauschen Strommengen aus, so dass Ausgleichseffekte auch weiterhin genutzt werden können.

Dazu werden eine Leitzentrale und ein sogenannter Online-Regler aufgebaut. Bei letzterem handelt es sich um einen Speicher(verbund), der über die Leitzentrale Stromverbrauch und Erzeugung jederzeit im Gleichgewicht hält.

Gegenüber bisherigen Projekten zu Smart-Grids und virtuellen Kraftwerken steht hier der Verbund von Regionen im Fokus. Dabei wird der Wabenverbund auf Verteilnetzebenen untersucht, wodurch die Transportleitungen der Übertragungsnetze entlastet werden können. Insbesondere werden aber Möglichkeiten eines grenzüberschreitenden Verbunds von Energiewaben in Grenzregionen auf Verteilnetzebene im Sinne einer europäischen Energieunion analysiert. Die Großregion Saar-Lor-Lux bietet hierfür die besten Voraussetzungen.

 

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Schematische Darstellung einer Energiewabe mit online-Regler und Austausch mit Nachbarwaben

 

Ziele des Projekts „EnergiewabenGR“

  • Konzeptentwicklung, Simulation und teilweise Demonstration der vier Modell-Energiewaben Trier, Metz, Ostbelgien und Remich
  • Prüfung der Übertragbarkeit des Energiewabenkonzeptes auf die unterschiedlichen Regionen der Großregion
  • Prüfung der technischen, rechtlichen und marktwirtschaftlichen Voraussetzungen für die Umsetzung in der Großregion
  • Handlungsempfehlungen für die Politik und die Energiewirtschaft
  • Weiterer Ausbau von fEE in der Großregion, um die Klimaschutzziele zu erreichen, die Wertschöpfung in der Region zu erhöhen und fachspezifisches Know-how aufzubauen.
  • Prüfung der Umsetzbarkeit einer Wabe auch im Saarland und in der Stadt Esch-sur-Alzette durch die strategischen Projektpartner

Das Projekt wird zwischen November 2016 und Oktober 2018 in mehreren Schritten realisiert.

Schritt 1: Das Konzept wurde bislang von den Stadtwerken Trier für die Region Trier grob konzipiert und muss nun zur Umsetzung in anderen Regionen als allgemeingültiges Konzept ausformuliert werden. Hieraus wird ein Leitfaden mit Anforderungen an die Umsetzung von Energiewaben entwickelt.

Schritt 2: Basierend auf diesem Leitfaden wird für jede der vier Modellregionen die optimale Ausgestaltung der individuellen regionalen Energiewabe sowie die Voraussetzungen für den erfolgreichen Aufbau eines Energiewabenverbunds erarbeitet.

Schritte 3 und 4: Durch Simulation und teilweise Demonstration des Konzepts in den verschiedenen Regionen soll der Nachweis erbracht werden, dass die „Regionalen Energiewaben“ in der Großregion aufgebaut und vernetzt werden können. So kann mittelfristig ein grenzüberschreitender Austausch von und Handel mit Strom unter maximaler Integration von fEE ermöglicht werden.

Die Veröffentlichung der Projektergebnisse ist den Projektpartnern besonders wichtig. Dadurch sollen möglichst viele Akteure zum Aufbau von Energiewaben angeregt werden, damit in Zukunft ein starker Energiewabenverbund in der Großregion und darüber hinaus aufgebaut werden kann. Alle Projektergebnisse werden nach und nach auf dieser Homepage in den Bereichen „Projektstatus“ und „Downloads“ veröffentlicht.

 

Förderung durch das europäische Programm Interreg VA Großregion

Das Projekt adressiert das spezifische Ziel 5 der Prioritätsachse 2 des Interreg VA-Programms: Die Umweltbelastungen im Rahmen der wirtschaftlichen und räumlichen Entwicklung der Großregion verringern. Denn durch die Ausregelung von fEE innerhalb des geplanten Wabensystems wird mehr Strom aus fEE ins Gesamtsystem integriert, der langfristig Strom aus fossilen Energien und damit Strom mit erheblichen negativen Klimaeffekten verdrängen hilft. Durch die lokale Ausregelung von Stromerzeugung und –verbrauch kann der Bedarf des Netzausbaus vor allem im Übertragungsnetz reduziert und evtl. damit einhergehenden Eingriffen in das Landschaftsbild vorgebeugt werden.

Außerdem leistet das Projekt einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Großregion durch den Ausbau von erneuerbaren Energien (EE) und deren Vermarktung/Austausch in der Großregion. So können neue Dienstleistungen rund um die Energieversorgung durch EE, insbesondere grenzüberscheitender Stromaustausch, entstehen.

 

Weiterführung der Idee nach Projektende

Die Projektpartner erklären ausdrücklich, dass sie weder den Namen „Energiewabe“ noch das dahinterstehende Konzept schützen wollen. Ziel ist es ausdrücklich den Ausbau von EE in Verteilnetzen voran zu bringen, die Verbundenheit der Bürger mit den lokalen dezentralen Energieerzeugern und die Chancen einer damit verbundenen lokalen/regionalen Wertschöpfung zu erhöhen. Während des Projektes EnergiewabenGR werden jedoch keine operativ tätigen Energiewaben aufgebaut.

Fortführende Pilotprojekte, um die technische Machbarkeit der Energiewaben intensiv zu überprüfen, werden angestrebt, mit dem Ziel der Etablierung „realer“ Waben und der stetigen Verbesserung des Konzeptes.