Aktuell EU Green Week 2018

Saarbrücken, 03.07.2018
Zum Green Week Day: Energiewaben in der Großregion - eine Option der grenzüberscheitenden Stromversorgung für die Zukunft

Certification of participation, Green Week 2018

 

Im Rahmen der Green Week der Europäischen Kommission wurden am Mittwoch, den 27.6. in Remich (Luxemburg) erste Simulationsergebnisse aus dem Projekt "Energiewaben - Regionale Energieversorgung der Großregion" vorgestellt. Dabei konnte der Aufbau der vier Energiewaben und die Darstellung der jeweiligen Energiewaben in den Simulationen betrachtet werden. Die ersten Simulationen haben gezeigt, dass eine Steuerung z.B. von Wärmepumpen eine Verschieebung des Strombezugs in Zeiten hoher Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien (EE) in der Energiewabe ermöglicht. Andererseits kann eine flexible Stromerzeugung z.B. aus Blockheizkraftwerken (BHKW) dann zurückgefahren werden, wenn erneuerbare Energien günstig Strom bereitstellen können.

Die Projektidee ist, grenzüberschreitend sog. Energiewaben aufzubauen, die untereinander und innerhalb der jeweiligen Waben einen möglichst hohen Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien (EE) verwerten und austauschen, den sie selbst vor Ort erzeugen.

Insgesamt wurden vier virtuelle Energiewaben aufgebaut: in Metz (F), in Remisch (L), in Ostbelgien rund um die Stadt Eupen (B) und in Trier (D). Diese werden länderübergreifend zusammengeschaltet, wobei Stromerzeugung und -verbrauch in der jeweiligen Energiewabe mit unterschiedlichen Flexibilitätsoptionen ins Gleichgewicht gebracht werden soll. Dabei soll auch ein grenzüberscheitender Stromaustausch zwischen den Energiewaben in einem Modell getestet werden.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Steuerung von Stromerzeugungsanalagen und Stromverbrauchern, die den ¼ stündlichen Handelsintervallen am Stromspotmarkt folgen. Hierzu wird ein sog. Online-Regler eingesetzt, bei dem es sich um ein über eine Leitstelle gesteuertes Speichermedium wie z.B. ein Pumpspeicherkraftwerk oder Batteriespeicher handeln kann.

In der ersten Simulation wurden reale Anlagendaten aus dem Jahr 2014 aus Trier und Belgien so aufbereitet, dass die Effekte des flexiblen Einsatzes von Blockheizkraftwerken (BHKW) und Wärmepumpen sichtbar wurden. "Aktuell reagieren BHKW nicht flexibel auf den regionalen Bedarf an Strom. Sie eignen sich jedoch optimal für den Einsatz als flexible Stromerzeuger, ohne dabei die Wärmeversorgung zu vernachlässigen. So können sie kurzfristig die Lücke zwischen Strombedarf und -erzeugung schließen und darauf reagieren, ob gerade viel oder wenig erneuerbare Energien zur Verfügung stehen", erläutert Raphael Stott, Projektingenieur bei den Stadtwerken Trier. Auch Wärmepumpen können bei einer entsprechenden Auslegung als flexible Verbraucher mit einem Wärmespeicher für einen Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch beitragen.

"Der Endkunde bekommt davon jedoch ebenso wenig etwas mit wie von eventuellen Staus in den Netzen. Letztere können dazu führen, dass trotz hoher Anteile preisgünstiger erneuerbarer Energien an der Börse deren Produktion vorübergehend gedrosselt werden muss", führt Barbara Dröschel, Projektkoordinatorin beim IZES, aus.

Und genau diese Abregelung soll verringert werden, indem der Strom dort verbraucht wird, wo er erzeugt wird, nämlich in den Energiewaben selbst. Und wenn eine Wabe trotz aller eingesetzten Ausgleichsoptionen einen Stromüberschuss hat, so wird dieser an die Nachbarwabe weitergegeben.

"Das kann man sich wie Bienenwaben vorstellen, die unter Berücksichtigung des Füllstands von Nachbarwaben mit Honig befüllt werden. Deshalb haben wir uns für diese Bezeichnung für unser Projekt entschieden", erläutert Barbara Dröschel. "Wichtig ist uns aber auch der Hinweis, dass die Energiewaben nicht autark sind, sondern weiterhin am Netz der öffentlichen Versorgung angeschlossen bleiben."

Das Projekt wird im Rahmen des europäischen Programms Interreg VA "Großregion" und seitens des saarländischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr gefördert. Insgesamt sind daran sieben Partner aus der Großregion beteiligt. dabei handelt es sich um das IZES aus Saarbrücken, das auch Projektleiter ist, die Stadtwerke Trier (SWT), die Stadtwerke Metz (UEM), die deutschsprachige Gemeinschaft Ostbelgien, die belgische Energiegenossenschaft Courant d'air, der belgische Stromversorger Cociter, die Stadt Remich und deren Versorger Eida in Luxemburg.

 

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Der neue Gare Routière, Quelle: Valentiny hvp architects


Mehr Infos zum Event auf der Green Week-Homepage:
https://www.eugreenweek.eu/partner-events/energy-cells-regional-energy-supply-greater-region

Ansprechpartnerin:
Barbara Dröschel, IZES gGmbH, droeschel@izes.de, +49 (0)681 844 972 52.

 


 

EnergieWabenGR

Ein Verbund länderübergreifender dezentraler Stromerzeugung in der Großregion Saar-Lor-Lux Belgien und Rheinland-Pfalz auf Verteilnetzebene.

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Die Großregion (GR) hat bereits auf ihrem Gipfel im März 2014 erklärt, sich zur „europäischen Modellregion für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“ entwickeln zu wollen. Aufgrund verfügbarer Ressourcen werden in der Großregion insbesondere fluktuierend einspeisende erneuerbare Energien (fEE) wie Wind und Photovoltaik, aber in einigen Regionen auch Bioenergiekraftwerke weiter ausgebaut. Allerdings gibt es über den ohnehin etablierten Börsenhandel und die internationalen Kuppelstellen im Übertragungsnetz hinaus bislang keinen Stromaustausch zwischen den Ländern und Regionen der Großregion.

Um die Situation zu verbessern, müssen die Energieinfrastrukturen grenzübergreifend stärker vernetzt werden, um so ggf. auch unterhalb der Übertragungsnetzebene Strom austauschen zu können und somit zur Systemstabilisierung beizutragen. Das Energiewabenkonzept bietet im Verbund hierfür eine mögliche Lösung.

Es sollen zunächst vier Energiewaben in der Großregion konzipiert werden.

  • Eine Energiewabe in Trier, Rheinland-Pfalz, und Umgebung
  • Eine Energiewabe in Metz, Lothringen, und Umgebung
  • Eine Energiewabe in Remich, Luxemburg
  • Eine Energiewabe in Ostbelgien
Karte
Lokalisation der vier Energiewaben in der Großregion

 

Zur Umsetzung des Projekts hat sich ein Konsortium aus acht Partnern, die die Umsetzung des Konzepts voranbringen und weiteren 11 strategischen Partnern, die unterstützend zu spezifischen Fragestellungen herangezogen werden, gebildet. Die Struktur des Konsortiums verdeutlicht die folgende Grafik. Weitere Informationen zu den Partnern und ihrer Rolle im Projekt.

 

Das Energiewaben-Konsortium

 

konsortium_de.pngDie Partner nach Regionen und die strategischen Partner